Hüftersatz – Die Gelddruckmaschine

Nach der Entfernung des Blinddarms und der Gallenblase geht es in unserer Reihe zur Standardoperationen heute um den Hüftersatz.
Wie in einem vorherigen Beitrag ausgeführt, wird dieser immer mehr angewandt, weil er gut planbar und eines gutes Geschäft darstellt (ach, es gibt auch eine medizinische Begründung? War uns nicht aufgefallen).

Wie sieht es eigentlich mit den Liegedauern bei einem Hüftersatz aus?

Liegedauern beim Hüftersatz

Da es extrem viele unterschiedliche OPS-Codes für Hüftersatz gibt, haben wir uns hier für einen (5-820.00) entschieden – daher ist die Datenbasis etwas kleiner als gewohnt. Auffällig ist trotzdem, wie kurz die vorbereitenden Liegedauern für einen solchen – wenn man sich es mal überlegt, doch nicht so kleinen – Eingriff sind, in einem Fall fast immer einen Tag. Das zeigt, wie gerade dieser Eingriff unglaublich von ökonomischen Überlegungen abhängt, wenn man mit OP-Managern spricht, hört sich das wie eine Fabrik an: „Heute 10 Hüften durchgenudelt“.

Die nachoperative Liegedauer beim Hüftersatz ist im Vergleich zu anderen Eingriffen sehr lang, bei Krankenhäusern gleicher Größe gibt es hier extreme Unterschiede – von 12 bis 45 Tagen ist alles dabei. Hier wäre einmal Arbeit für investigativen Journalismus um herauszufinden, woran das liegen könnte. Ich denke, man könnte die Worte „ökonomische Optimierung“ oder einfach „Gier“ für einige Geschäftspraktiken verwenden.

Sterblichkeit nach Hüftersatz

Trotz der Komplexität des Eingriffs sind Todesfälle nach Hüftersatz (wenn sie nicht durch einen Bruch ausgelöst werden) als „sentinel events“, also unvorhersehbare Einzelfälle einzustufen….wirklich?

Auch hier gibt es wieder sehr starke Unterschiede zwischen Krankenhäusern, bei Häusern, die etwa 500 Hüftersätze pro Jahr durchführen, schwanken die Todesraten zwischen 2% und 17%, was wirklich krass ist (auch hier wieder die Informationen, dass wir keine Namen der Krankenhäusern veröffentlichen, es sei denn wir kriegen konkrete Anfragen). Das wird näher untersucht.

Könnte ein Grund für diese Diskrepanzen in der ökonomischen Optimierung der Operation liegen (schneller, billiger, mehr)?

Während die Optimierung der Wechselzeiten und Anästhesiezeiten keinen besonderen Einfluss auf die Sterblichkeit des Patienten hat, hat eine Reduktion der Schnitt-Naht-Zeiten einen positiven Zusammenhang mit der Sterblichkeit. Man könnte also sagen:

Wenn Ärzte dazu gedrängt werden, die Operationen für Hüftersätze möglichst schnell durchzuführen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten daran sterben!

Oder anders gesagt: Das DRG-System und die Ökonomisierung der Krankenhäuser tötet Menschen.