Blinddarm – eine Standard-OP?

In diesem Beitrag wird eine Standard-Operationen einmal genauer untersucht, die Blinddarm Entfernung (Appendektomie).
In den folgenden Beiträgen werden ein paar Operationen genauer unter die Lupe genommen: Der Kaiserschnitt, der Hüftersatz und die Entfernung der Gallenblase. Dies soll nach dem jeweils gleichen Schema ablaufen, um Mechanismen deutlich zu machen.

Also fangen wir an: Wie lange liegen die Patienten vor und nach der OP eigentlich?

Liegedauern bei Blinddarm-OP

Die Liegedauern sind bei allen Aufenthalten in deutschen Krankenhäusern für die Häuser von enormer Wichtigkeit – je schneller der Patient verschwindet, desto mehr Profit kann gemacht werden – die schon gezeigt, sinkt die Liegedauer seit Jahren deutlich. Für die Untersuchung von Liegedauern vor und nach einer Operationen wurden nun alle Patienten ermittelt, die NUR diese Operation bekommen haben (um Verzerrung auszuschließen).

Die präoperative Liegedauer bestimmt, wie viele Tage der Patient vorher im Krankenhaus ist, um für die Operation eingestellt zu werden und um vorbereitende Untersuchungen vorzunehmen.

Die postoperative Liegedauer bestimmt die Zeit, die die Patientin / der Patient nach der Operation braucht, um sich zu erholen – ach nein, das war mal. Heute ist das die Zeit, nach der der Patient so transportfähig ist, dass das Krankenhaus sie / ihn entlassen kann (Entschuldigung für den Zynismus).

Wie sieht das nun bei der Entfernung des Blinddarms (OPS-Code 5-470.11) aus?

Wir sehen, dass keine große Vorbereitungszeit für eine Appendektomie nötig ist, dass aber Krankenhäuser, die viele dieser Operationen machen, dort aber noch einmal alles stark optimieren, um diese zu minimieren. Wer im Durchschnitt zwei Tage braucht, ist entweder sehr gründlich und will sichergehen, dass beim Patienten alles in Ordnung ist – hat aber nichts von der Ökonomie der modernen Krankenhäuser verstanden (wer seine Großmutter in genau dieses Krankenhaus schicken möchte – schreibt uns an, wir teilen es gern mit ;)).

Bei der nachoperativen Liegedauer ist die Streuung wesentlich größer:

Die meisten Krankenhäuser entlassen nach 4-5 Tagen, es gibt aber große Ausreißer vor allem bei den kleineren Krankenhäusern. Eine lange Liegedauer ist individuell natürlich Zeichen für Komplikationen, die man nicht haben möchte, kann aber auch heißen, dass Patient einigermaßen geheilt entlassen wird, was nach drei Tagen sicher noch nicht ganz der Fall sein kann.

Sterblichkeit nach Blinddarmentfernung

Jetzt wird es spannend: Wie groß ist eigentlich die Sterblichkeit nach einer solchen Routine-Operation? Sehr unterschiedlich, zeigt die Grafik:

Auf der y-Achse ist die Anzahl der jeweils durchgeführten Operationen aufgeführt und scheinbar bestätigt sich, was viele Krankenkassen denken – die kleinen Häuser müssen zugemacht werden, weil dort mehr Leute sterben. Nein, das kann man aus dieser Grafik nicht herauslesen, es ist einfach so, dass selten auftretende Todesfälle nach Blinddarmoperationen in kleinen Häusern mehr Auswirkungen haben und die Todesrate dann mal eben auf 5% erhöhen, während viele kleine Häuser keine Todesfälle haben.

Nein, interessant ist hier der Unterschied zwischen Häusern gleicher Fallzahl, wo die Todesrate zwischen 1-3% schwanken kann. Das heißt, es gibt Krankenhäuser, in denen die Wahrscheinlichkeit, nach einer Blinddarm-Operation zu sterben, 3 Mal so hoch ist wie in anderen.

Inwiefern hat das eventuell mit der Operation selbst zu tun? Dazu vergleichen wir einmal den Zusammenhang mit den Operationszeiten

Operationszeiten und Sterblichkeit

Den Einfluss von Druck und Terminstress im OP-Saal auf die Qualität der Operation auszumachen, ist nicht leicht – eine längere Operationszeit zum Beispiel heißt im Einzelfall, dass Komplikationen aufgetreten sind und eine kurze Operation deutet auf eine normale Operation hin.
Nun lautet aber die These, dass der Druck, Operationen möglichst kurz zu halten, zu einer Erhöhung der Sterblichkeit durch Druck und Stress führen kann.

Dazu schauen wir uns einmal die Veränderung der Operationszeiten an – wenn diese deutlich gesunken und die Sterblichkeit erhöht ist, ist ein Hinweis auf den Zusammenhang gegeben. Dazu werden zwei Zeiten genommen (siehe den letzten Beitrag): Die Schnitt-Naht-Zeit (vom Arzt beeinflusst) und die Narkosezeit (von der OP-Organisation beeinflusst):

Man sieht hier relativ deutlich, dass eine Erhöhung der Operationszeiten die Sterblichkeit verringert hat und eine „Optimierung“ der Operationszeiten mit einer Erhöhung der Sterblichkeit einhergeht.

Dies deutet darauf hin, dass die Optimierung der OP-Säle Menschenleben fordert!

In den nächsten Beiträgen werden noch mehr Operationen diesbezüglich unter die Lupe genommen.