Operationen – eine Einleitung

Operationen zählen mittlerweile zu den wichtigsten Tätigkeiten deutscher Krankenhäusern, denn sie werden im Festpreis entlohnt (DRG-System sei Dank) und sind damit (bis auf Notfalloperationen) als Einnahmequelle gut planbar.

Dementsprechend groß ist auch der Druck seitens des Managements, die OP-Säle möglichst gut auszulasten und die Zeiten der Operationen (der Operation selbst oder der Vorbereitung) zu optimieren. Zweitens ist auch das „Marketing“ sehr wichtig, die Zusammenarbeit mit Ärzten, die Patienten in der Krankenhaus bringen, wird „intensiviert“, man nennt das „Einweisermanagement“.

Ok, reden wir mal Klartext: Ärzte werden dazu gebracht, möglichst viele Hüften, Knie etc. an die Krankenhäuser zu vermitteln, im Falle von Fresenius, dem großen Gesundheitskonzern, zu dem praktischerweise die Krankenhauskette Helios gehört, läuft das so: Ich kaufe einfach die Arztpraxen. Wunderbar, oder? Wenn dann ein Patient mit Knieschmerzen kommt, wird er im Zweifelsfall direkt ins nächste Helios-Krankenhaus gekarrt.

Das ist Kapitalismus in Reinkultur. Nun zurück zum Operationssaal. Es gibt wie im Handbuch OP-Management, der Bibel fürs OP-Management, definiert, einige wichtige Stellschrauben, an denen man drehen kann:

  • Die Schnitt-Naht-Zeit, also die Zeit vom ersten operativen Eingriff (meist ein Schnitt in die Haut) bis zur letzten Tätigkeit (meist Zunähen). Dies ist die wichtigste Zeit und gleichzeitig am schwersten zu beeinflussen, weil sie von Ärzten durchgeführt werden, die gegenüber Druck und Erpressung meist nicht zu anfällig sind. Aber man kann es ja mal versuchen.
  • Die Freigabe-Schnitt-Zeit, die Zeit ab der der Patient vom Anästhesisten für die Operation freigegeben ist (er also auf gut Deutsch nichts mehr spürt), bis der Operateur loslegt, also Lagerung des Patienten auf dem OP-Tisch, bereitstellen der Ausrüstung etc.
  • Ganz wichtig, die Wechselzeit: Sobald der Patient zugenäht ist, geht die Hektik los – der Patient muss raus, der Saal gesäubert werden, neue Instrumente bereitgestellt werden. Oft wird der nächste Patient parallel schon „eingeleitet“, also die Narkose gesetzt.

Der moderne Operationssaal ist ein durchgetakteter Betrieb, denn er ist eine Geldmaschine.

Es geht zwei große Berater, die den Krankenhäusern helfen, noch mehr aus ihren OP-Sälen herauszupressen: Digmed und das OP-Benchmarking des KHZV Rheinland.

Auslastung des Operationssaals

Als wichtigster Parameter wird oft der Grad der Auslastung eines OP-Saals angegeben. Dieser ist definiert als die durchgeführten Schnitt-Naht-Zeiten (in denen tatsächlich eine Operation stattfindet) innerhalb der normalen Öffnungszeit eines Saals. Da das aber nichts über Effizienz, Qualität oder sonst etwas in einem Saal aussagt (tatsächlich ist die Auslastung dann am besten, wenn eine einzige Operation den ganzen Tag stattfindet), halten wir diesen Parameter für Schwachsinn. Aber gut, das Medizincontrolling und die Konzernstrategie mögen sie, weil es eine schöne Zahl ist.

Ein „guter“ Wert fü einen chirurgischen Saal ist 40%, 50% natürlich noch besser.

Zufällig haben wir von Medileaks die Daten aller Operationen der meisten Krankenhäuser in Deutschland 😉

So sieht die Auslastung der OP-Säle in den letzten Jahren aus, eine deutliche Steigerung ist zu erkennen:

Auslastung OP-Säle deutsche Krankenhäuser

Auslastung OP-Säle deutsche Krankenhäuser

Da in diesen Werten Ersatz- und Notfallsäle vorhanden sind, sieht man die deutliche Steigerung der Auslastung. Folgen für Patienten und Mitarbeiter? Eher schlecht.

Weitere Auswertungen

An dieser Stelle seid ihr, liebe Leser, gefragt: Was interessiert euch an Operationen? Welche Zeiten sollen wir euch mal mitteilen? Sterblichkeiten? Liegedauern vor und nach der OP?

Schreibt uns unter hospitalleaks@mailbox.org!