Komplikationen bei Knie-TEPs

Über die Komplikationen bei Knie-TEPs wurde bereits im letzten Beitrag berichtet: Die Krankenkassen meinen, dass diese vor allem bei kleineren Häusern auftreten und haben unter anderem deshalb (und natürlich, um in der Krankenhauslandschaft etwas „aufzuräumen“) zum 1.1.2015 Mindestmengen eingeführt (Spoiler: Hat genau das Gegenteil bewirkt).

Wenn man sich einmal den Zusammenhang zwischen Komplikationen bei Knie-Totalendoprothesen (aka „neues Knie“) und der Fallzahl anschaut, kommt man da etwas ins Zweifeln:

Komplikationen bei Knie-TEPs in Abhängigkeit von der Fallzahl

Komplikationen bei Knie-TEPs in Abhängigkeit von der Fallzahl

Aber medileaks wäre nicht medileaks, wenn wir das nicht etwas genauer untersuchen würden.

Untersuchung der Zusammenhänge bei Komplikationen bei Knie-TEPs

Wie nicht anders zu erwarten folgt nun…eine lineare Regression zur Feststellung der Zusammenhänge, die zu Komplikationen bei Knie-TEPs führen – man will ja schließlich wissen, wo man Tante Erna für ihr neues Knie hinbringt.

 

Ergebnis der Regression:

FaktorenEinflusst-WertPr(>|t|)Signifikanz
(Intercept)9.006e-012.3870.018825*
Verweildauer2.779e-023.6610.000398***
Anzahl_OPS2.906e-023.0200.003186**
Fallzahl5.213e-042.5010.013973*
Casemix8.505e-022.3140.022655*
Ausfall_PD-2.516e-01-0.3900.697172
Fluktuation_PD-2.238e-01-1.1880.237584
Ausfall_ÄD7.414e-011.0390.301437
Fluktuation_ÄD3.153e-020.1970.844325
Ausfall_FD3.239e-010.5490.584133
Fluktuation_FD-2.326e-01-0.9610.338707
Eigenkapital1.524e-091.8750.063659.
Schulden-3.943e-09-6.0082.86e-08***
Kosten_Fremdpersonal_PD-9.212e-08-3.5680.000549***
VK_Kosten_PD-9.136e-06-1.8240.071078.
VK_Kosten_ÄD-1.900e-06-1.7290.086742.
Arbeitszeit_PD-4.977e-01-1.9160.058173.
Arbeitszeit_ÄD-2.477e-01-1.4770.142851
Materialkosten_Anteil3.895e-013.2450.001582**
Fälle_pro_Bett-3.165e-01-4.8983.60e-06***
Gewinn_Invest3.537e-011.8640.065141.
Anteil_VK_PD-5.773e-01-2.5610.011895*
Anteil_VK_FD1.138e-010.2650.791521

Folgende Faktoren führen also zu mehr Komplikationen bei Knie-TEPs:

  • Je höher die Fallzahl, desto mehr Komplikationen (könnte auch ein Effekt sein, dass die kleinen Krankenhäuser ihre Fallzahl so gesteigert haben um auf die Mindestmenge zu kommen)
  • Je weniger Pflegepersonal (ggf. auch durch Leiharbeit) vorhanden ist, desto höher die Komplikationsrate
  • Je schlechter Ärzte und Pfleger ausgebildet und bezahlt sind und je prekärer diese angestellt sind, desto mehr Komplikationen

Tante Erna sollte also nicht unbedingt in ein möglichst großes Krankenhaus gehen, sondern in eins, das seine Angestellten vernünftig behandelt und genug Ärzte und Pfleger einstellt.

Aber fragen wir uns doch einmal ganz ketzerisch: Ist es für die Krankenhäuser wirklich so schlimm, wenn Komplikationen bei Knie-OPs auftreten? Schließlich werden komplizierte Behandlungen wesentlich besser bezahlt.

Schauen wir doch einmal in die Daten: Mehr Komplikationen bei Knie-TEPs führen zu…:

  • Längerer Verweildauer (schlecht fürs Geschäft)
  • Höherer Schwierigkeitsstufe (Casemix, gut fürs Geschäft)
  • Höherem Eigenkapital (aha…)
  • Weniger Schulden (AHA!)
  • Höheren Gewinnen (quod erat demonstrandum)

Fazit

Glaubt ja nicht, großen Krankenhäuser ist es in erster Linie an der Vermeidung von Komplikationen gelegen. Ihnen ist an der Vermeidung solcher Komplikationen gelegen, die sie nicht abrechnen können und die nicht tödlich sind. Alles andere bringt mehr Geld, wovon die Krankenhäuser reichlich haben.

Im Übrigens ist es auch nicht die Anzahl der Fälle, die Komplikationen wahrscheinlicher macht, sondern mehr und besser ausgebildetes und behandeltes Personal, vor allem in der Pflege.

Ja, das ist tatsächlich diesmal mathematisch belegt, prüft es nach.