Kaiserschnitte – Einleitung

Nachdem im letzten Beitrag gezeigt wurde, dass die Kaiserschnittrate in Deutschland mit 33% sehr hoch ist und nur etwas 20% der Kaiserschnitte medizinisch notwendig sind, stellt sich die Frage:

Ist die hohe Kaiserschnittrate Folge von Komplikationen, die aufgrund der Unterbesetzung der Stationen entstehen oder werden Kaiserschnitte aus ökonomischen Überlegungen durchgeführt? Schließlich bringen sie etwa 2,5-Mal so viel Geld wie eine normale Geburt.

Einflüsse auf die Kaiserschnittrate

Anbei seht ihr die rein rechnerischen Zusammenhänge mit der Kaiserschnittrate der untersuchten Krankenhäuser:

Einflussparameter Kaiserschnitte

Einflussparameter Kaiserschnitte

Auffällig ist, dass Gewinn und Eigenkapital mit der Kaiserschnittrate steigen, aber die Kaiserschnittrate eben auch sinkt, wenn mehr Pfleger angestellt sind, Ärzte besser ausgebildet und Ärzte weniger ausfallen

Das spricht sowohl für die These, dass Kaiserschnitte aus wirtschaftlichen Erwägungen durchgeführt werden, als auch für die These, dass medizinisch gebildetes Personal, das in ausreichender Menge vorhanden ist, weniger Kaiserschnitte durchführt.

Was sagt die Regressionsanalyse? Folgende Parameter haben einen signifikanten Einfluss auf die Kaiserschnittrate (> 0 positiver Einfluss, < 0 negativer Einfluss):

Regressionsparameter Kaiserschnittrate

Regressionsparameter Kaiserschnittrate

Was für eine Durchführung von Kaiserschnitten aus wirtschaftlichen Erwägungen spricht:

  • Kaiserschnitte werden durchgeführt, wenn Pfleger und Ärzte Vollzeitstellen haben
  • Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Gewinn / Eigenkapital und der Kaiserschnittrate
  • Je höher die Nutzung der Planbetten ist, desto geringer die Kaiserschnittrate (weil keine Betten frei sind)

Was für eine Durchführung von Kaiserschnitten aus medizinischer Notwendigkeit (erhöhte Komplikationsrate) spricht:

  • Die Kaiserschnittrate ist niedriger, wenn mehr Pflegepersonal und Funktionsdienst vorhanden ist
  • Die Kaiserschnittrate sinkt mit dem Anteil von weitergebildeten Ärzten
  • Erhöhter Ausfall im ärztlichen Dienst führt zu größerer Kaiserschnittrate

Fazit

Die Auswirkungen der Ökonomisierung der Geburtsstationen scheint auf die Kaiserschnittrate zwei Stoßrichtungen zu haben:

    1. Durch die wesentlich höhere Vergütung von Kaiserschnitten im Vergleich zu „normalen“ Geburten werden vermehrt medizinisch nicht notwendige Kaiserschnitte durchgeführt, falls noch Betten frei sind. Dies steigert den Gewinn der Krankenhäuser.
    2. Wie bereits gezeigt, steigt die Komplikationsrate bei Geburten infolge von höherem Druck, schlechterer Bezahlung, erhöhtem Krankenstand und Fluktuation in Pflege und ärztlichem Dienst. Damit steigt auch die Kaiserschnittrate, die niedriger ist, wenn mehr Personal vorhanden ist, Ärzte weitergebildet werden und die Arbeitsbedingungen vernünftig sind.

Wir hatten im letzten Beitrag zwei Szenarien aufgeführt, welche Folgen das systematische Kaputtsparen von Geburtsstationen neben des Hebammensterbens, erhöhtem Druck und weniger Geburtsstationen hat: Systematische Körperverletzung oder das Durchführen nicht notwendiger Eingriffe aus Wirtschaftlichkeitsüberlegeunen.

Die Antwort: Beides.