Die Ökonomisierung der Geburten

Wie im letzten Beitrag gezeigt, schreitet die Ökonomisierung der Geburten massiv voran: „Normale“ Geburten werden schlecht vergütet, Operationen und Komplikationen bevorzugt. Um also noch einigermaßen wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen also Komplikationen bei Geburten her, die aufgrund des Personalmangels auch auftreten…ist das nicht zynisch?

Die Folgen

Schauen wir uns einmal die Entwicklung wichtiger Parameter der Geburt in den letzten Jahren an (Index 2013 = 100%):

Parameter Geburten: Alter, Komplikationen, Kaiserschnittraten

Parameter Geburten: Alter, Komplikationen, Kaiserschnittraten

Folgendes fällt auf:

  • Die Zahl der Geburten steigt, während gleichzeitig Geburtsstationen schließen
  • Es gibt mehr Mütter über 35 aber nicht mehr Mütter über 40, das Risiko für Komplikationen steigt also nicht dramatisch
  • Es gibt wesentlich mehr Geburtskomplikationen, kritische Verlegungen von Neugeborenen und Dammrisse bei Müttern

Eins von zwei Szenarien ist also aufgrund der systematischen Unterbezahlung von komplikationsfreien Geburten eingetreten:

Entweder steigen durch die Unterbezahlung und die systematische Überlastung von Pflege und Ärzten die Komplikationen dramatisch an oder aber es werden systematisch wesentlich mehr Komplikationen gemeldet, die so nicht existieren.

Oder aber kurz gesagt, die Folge der Ökonomisierung der Geburtsstationen ist entweder Körperverletzung in tausenden Fällen oder systematischer Betrug.

Untersuchen wir zwei Phänomene doch ein bisschen genauer: Die Kaiserschnittrate und die Geburtskomplikationen.

Einflussparameter Geburtskomplikationen

Wie bereits in den vergangenen Analysen, so wird auch hier eine lineare Regression zur Ermittlung der Einflussparameter auf die Geburtskomplikationen durchgeführt.
Grafisch sehen die Zusammenhänge wie folgt aus:

Regression Geburtskomplikationen

Regression Geburtskomplikationen

Logisch ist dass Geburtskomplikationen eher bei Notfällen auftreten. Andere Zusammenhänge sind beachtenswerter:

  • Der Zusammenhang zwischen Fluktuation im ärztlichen Dienst und im Funktionsdienst und der Komplikationsrate – während die Fluktuation ansteigt
  • Die Tatsache dass Geburtskomplikationen sinken, je mehr Ärzte und je mehr Funktionsdienst angestellt ist.

Die Regressionsanalyse zeigt folgende signifikanten Einflüsse auf die Geburtskomplikationen:

Einflussparameter Geburtskomplikationen

Einflussparameter Geburtskomplikationen

Folgendes lässt die Rate der Geburtskomplikationen also ansteigen:

  • Weniger Ärzte und Pfleger im Funktionsdienst
  • Höhere Auslastung der Betten
  • Höhere Fluktuation im ärztlichen Dienst und Funktionsdienst
  • Höherer Ausfall beim Pflegedienst

Währenddessen lassen die Rate der Geburtskomplikationen sinken:

  • Eine bessere Weiterbildung von Ärzten und das Einstellen besserer Ärzte
  • Stabilere Arbeitszeiten von Ärzten und Pflegern

 

Damit spricht einiges für die Hypothese, dass wir neben einer verstärkten Codierung von Komplikationen tatsächlich eine Steigerung der Komplikationsraten vorliegen haben, welche stark durch schlechte Bezahlung und Weiterbildung und hohe Fluktuation und Krankheitsausfall beeinflusst wird.

Die Ökonomisierung der Geburtshilfe führt also neben anderen Auswirkungen dazu, dass Geburten in Deutschland gefährlicher werden.