Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit – Einstieg

In diesem Artikel werden die Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit untersucht. Wie im vorherigen Beitrag erläutert, sind diese nur bedingt in der Lage, die Auswirkungen der Ökonomisierung der Krankenhäuser zu erklären, dafür ist die Veränderung der Sterblichkeit maßgeblicher.

Aber auch die Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit bieten interessante Erkenntnisse über die intuitiv logischen Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen.

Hier ein Überblick über die Zusammenhänge:

Zusammenhänge bei der Sterblichkeit im Krankenhaus

 

Zusammenhänge Sterblichkeit im Krankenhaus

Neben den zu erwartenden Einflussfaktoren wie Verweildauer, Alter, Geschlecht fallen folgende Einflüsse auf:

  • Je höher der Gewinn ist, desto höher ist die Sterblichkeit
  • Je höher der Ausfall im Funktionsdienst ist, desto höher die Sterblichkeit
  • Hohe Fluktuation im ärztlichen Dienst (und diese steigt!) erhöht das Risiko der Patienten

 

Welche Einflüsse sind jetzt mathematisch valide als wirkliche Zusammenhänge zu identifizieren?

Signifikante Zusammenhänge mit der Sterblichkeit im Krankenhaus

 

Einflüsse auf die Sterblichkeit im Krankenhaus

Call: lm(formula = Sterblichkeit ~ Verweildauer + Alter_Jahre + Notfall + Erträge_sonst_Anteil + OP_pro_Fall + geschlecht + Nutzung_Intensivbetten + CM_pro_VK_KH + Erlöse_amb_OP_Anteil + Erlöse_Unterkunft_Anteil + Ausfall_FD + Narkosedauer + Nutzung_Planbetten + Gewinn_Invest + Fallwahrscheinlichkeit + VK_Kosten_Verw + Erträge_Zinsen_Anteil + VK_Kosten_MTD + Ausfall_ÄD + Ausfall_PD + Fluktuation_PD + Fluktuation_ÄD, data = ctmp)

Residuals:

Coefficients: Estimate Std. Error t value Pr(>|t|)

Verweildauer 4.252e-03 4.896e-04 8.684 1.59e-12 ***

Alter_Jahre 3.902e-04 6.510e-05 5.994 9.50e-08 ***

Notfall 1.823e-02 2.948e-03 6.184 4.44e-08 ***

Erträge_sonst_Anteil -8.969e-03 2.444e-03 -3.670 0.000487 ***

OP_pro_Fall -6.184e-03 1.939e-03 -3.189 0.002183 **

geschlecht 3.205e-02 8.303e-03 3.859 0.000261 ***

Nutzung_Intensivbetten 5.269e-03 2.214e-03 2.380 0.020190 *

CM_pro_VK_KH -3.791e-04 5.721e-05 -6.627 7.43e-09 ***

Erlöse_amb_OP_Anteil -1.459e-01 4.797e-02 -3.040 0.003385 **

Erlöse_Unterkunft_Anteil 1.961e-01 4.522e-02 4.337 5.05e-05 ***

Ausfall_FD 4.001e-02 1.616e-02 2.476 0.015875 *

Narkosedauer 2.188e-05 2.220e-05 0.985 0.328073

Nutzung_Planbetten -1.188e-02 4.740e-03 -2.506 0.014677 *

Gewinn_Invest 1.247e-02 4.929e-03 2.529 0.013824 *

Fallwahrscheinlichkeit -2.260e-01 1.050e-01 -2.152 0.035020 *

VK_Kosten_Verw 1.325e-07 4.789e-08 2.767 0.007330 **

Erträge_Zinsen_Anteil -7.481e-01 2.901e-01 -2.579 0.012143 *

VK_Kosten_MTD -1.989e-07 9.772e-08 -2.035 0.045830 *

Ausfall_ÄD -1.118e-02 2.330e-02 -0.480 0.632918

Ausfall_PD -8.956e-03 1.855e-02 -0.483 0.630786

Fluktuation_PD 6.894e-04 3.992e-03 0.173 0.863415

Fluktuation_ÄD 3.450e-03 4.368e-03 0.790 0.432506

— Signif. codes: 0 ‘***’ 0.001 ‘**’ 0.01 ‘*’ 0.05 ‘.’ 0.1 ‘ ’ 1

Residual standard error: 0.002111 on 66 degrees of freedom (23 observations deleted due to missingness) Multiple R-squared: 0.9154, Adjusted R-squared: 0.8872 F-statistic: 32.45 on 22 and 66 DF, p-value: < 2.2e-16

[collapse]

Signifikant positiven Zusammenhang mit der Sterblichkeit zeigen also:

  • Verweildauer, Geschlecht, Alter und ob ein Patient als Notfall aufgenommen wurde
  • Der Ausfall im Funktionsdienst
  • Die Entlohnung der Verwaltung (was überraschend ist und weiterer Untersuchung bedarf)

Negativen Zusammenhang mit der Sterblichkeit zeigen:

  • Die sonstigen Erträge (wenn das Krankenhaus sich mit Privatpatienten, Chefarztambulanzen und Wahlleistungen etwas „dazuverdient“, senkt das zwar die Sterblichkeit, sagt aber nichts über die Qualität aus) und Erträge durch Zinsen
  • Die Operationen, die pro Fall durchgeführt werden, haben überraschend einen negativen Zusammenhang mit der Sterblichkeit (was daran liegen kann, dass an toten Patienten natürlich keine Operationen durchgeführt werden können, aber auch zeigt, dass die Menge der oft unnötigen Operationen deutlich zugenommen hat)
  • Die Lohnkosten für den medizinisch-technischen Dienst, was ein Maß für die durchgeführten Operationen ist und obigen Zusammenhang bestätigt

Interaktionszusammenhänge

Dass die Zusammenhänge in Wirklichkeit etwas komplizierter sind, zeigt diese Grafik:

Interaktion Geschlecht und Ausfallzeit ärztlicher Dienst beim Einfluss auf die Sterblichkeit

Die Grafik zeigt den Einfluss von Geschlecht auf die Sterblichkeit in Abhängigkeit vom Ausfall des ärztlichen Dienstes:

  • Wenn der Ausfall gering ist, hat das Geschlecht nur einen geringen Einfluss auf die Sterblichkeit
  • Wenn allerdings viele Ärzte ausfallen (und es fallen immer mehr Ärzte aus!!), hat das Geschlecht (das männliche, um genau zu sein) einen großen Einfluss auf die Sterblichkeit.

Im Klartext: Wenn viele Ärzte (vor allem durch Krankheit) ausfallen, sterben vor allem Männer!

 

Gründe für erhöhte Sterblichkeit

Wie in den vorherigen Artikeln auch, möchten wir untersuchen, in welche Richtung der Einfluss der Variablen auf die Sterblichkeit geht.

(Blaue Pfeile bedeuten hier einen positiven Zusammenhang, rote Pfeile einen negativen. Die Richtung der Pfeile deutet die Richtung der Beeinflussung an und die Stärke der Linie die Stärke der Beeinflussung).

 

Sterblichkeit im Krankenhaus: Kausalzusammenhänge

 

Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit im Krankenhaus sind:

  • Verweildauer im Krankenhaus, Alter und Notfalleinweisung (wie zu erwarten war)
  • Aber auch das Eigenkapital des Krankenhaus (und damit die Zinserträge): Je größer diese sind, desto geringer ist die Sterblichkeit. Dies ist ein Effekt der Ökonomisierung: Man macht den größten Profit, wenn man risikoarme, aber umso einträglichere Fälle „bearbeitet“, sie am besten operiert und möglichst schnell entlässt

Auswirkungen größerer Sterblichkeit im Krankenhaus sind dagegen:

  • Eine höhere Fluktuation im Pflegedienst durch höhere Arbeitsbelastung und auch nervliche Belastung
  • Ein geringerer Ausfall im ärztlichen Dienst (vielleicht weil der ärztliche Dienst es sich dann nicht mehr „leisten“ kann, krank zu sein)
  • Ein geringerer Gewinn

Fazit

Die Fehlanreize, die die deutsche Politik mit Einführung von Fallpauschalen und dem DRG-System, werden auch hier einmal wieder deutlich:

Die Krankenhäuser, die alte, kranke und komplizierte Menschen behandeln, haben geringere wirtschaftliche Chancen als die Häuser, die reiche und unkomplizierte „Fälle“ behandeln, die sie operieren und dann schnell entlassen können.

Das ist aber nicht Sinn und Zweck einen Krankenhauses.

Wie bereits angekündigt, kann man die Analyse der Sterblichkeit aber noch verbessern, indem die Veränderung der Sterblichkeit (vor allem in speziellen Krankheitsbildern) und die Entwicklung im Verhältnis zur erwarteten Sterblichkeit betrachtet wird, dafür werden wir uns einige Beiträge Zeit nehmen.