Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern – ein Einstieg

Langsam nähern wir uns den wirklich wichtigen Fragen unserer Auswertung, nämlich der Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern: Wir haben schon festgestellt,  dass der Krankenstand in deutschen Krankenhäusern ansteigt, die Fluktuation vor allem in der Pflege beängstigende Ausmaße annimmt und das DRG-System die Krankenhäuser dazu bringt, möglichst nur noch „wirtschaftliche“ Behandlungen durchzuführen.

Aber was macht das mit der Behandlungsqualität? Kann ich meine Oma noch ruhigen Gewissens ins Krankenhaus fahren?

Der entscheidende Indikator dafür ist natürlich die Sterblichkeit im Krankenhaus.

Sterblichkeit im Krankenhaus – ein problematischer Indikator

Allerdings kann man die Sterblichkeit im Krankenhaus nicht ohne weiteres verwenden, dazu zwei Beispiele, die durchaus vorkommen:

  • Ein Krankenhaus entscheidet sich, die Intensivstation zu schließen und sich stattdessen auf Hüft- und Knieendoprothesen zu fokussieren. Dann sinkt natürlich die Sterblichkeit im Krankenhaus, ohne dass dies etwas über die Qualität des Krankenhauses aussagt
  • Ein Krankenhaus entlässt viele Patienten „blutig“, d.h. nicht geheilt, so dass viele Patienten daheim sterben. Außerdem kauft das Krankenhaus die Arztpraxen in der Umgebung und diktiert ihnen, dass die hoffnungslosen Fälle gar nicht erst in dieses Krankenhaus, sondern das Krankenhaus um die Ecke überwiesen werden und die Patienten da sterben. Das senkt natürlich wunderbar die Sterblichkeit im Krankenhaus, sagt aber nichts über Qualität aus.

Ihr denkt, sowas kommt nicht vor, das ist doch unmoralisch? Ja, aber das sind die Auswirkungen von Fallpauschalen und Ökonomisierung und werden v.a. von einer großen Krankenhauskette systematisch betrieben. Wir können natürlich nicht sagen, von welcher, um nicht mit Klagen überzogen zu werden, nur soviel: Sie fängt mit „H“ an und hört mit „elios“ auf.

Wie kann man jetzt Qualität im Krankenhaus messen?

  1. Betrachte die Sterblichkeit nach bestimmten Krankheitsbildern und zwar nicht nur auf ein Haus bezogen sondern in allen Häusern in einer bestimmten Region zusammen – in unserem Fall werden die Häuser in Baden-Württemberg betrachtet
  2. Betrachte die Veränderung der Sterblichkeit in einem Haus über die Zeit, aber nicht isoliert, sondern in Zusammenhang mit anderen Variablen. Wenn z.B. die Sterblichkeit in einem Haus sinkt, aber keine Notfälle mehr aufgenommen werden, wird das ein lineares Modell „merken“ und entsprechend einberechnen
  3. Berechne einen Erwartungswert für die Sterblichkeit und analysiere, inwiefern sich die Sterblichkeit im Vergleich zu diesem Erwartungswert verändert. Mittels solcher Adjustierungsmodelle wie dem Elixhauser-Score können schmutzige Tricks ein Stück weit eliminiert werden

Entwicklung der Sterblichkeit

Wie entwickelt sich nun die Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern? Man erwartet ja, dass diese aufgrund des medizinischen Fortschritts sinkt.

Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern

Die Sterblichkeit liegt zwar unter dem Erwartungswert, sinkt aber seit 2012 nicht, obwohl „einfache“ Krankenhausaufenthalte und Operationen deutlich zugenommen haben. De facto steigt die Sterblichkeit also.

Wie sieht es mit verschiedenen Krankheitsbildern aus? Dazu wird die von Helios und vielen anderen Krankenhäusern genutzte IQM-Methodik mit den German Impatient Quality Indicators (kurz GIQI) genutzt. Diese sind öffentlich unter https://www.initiative-qualitaetsmedizin.de/qualitatsmethodik/qualitatsergebnisse/ abrufbar. Die hier vorliegenden Daten gehen aber noch weit über die bei IQM teilnehmenden Häuser hinaus.

Sterblichkeit nach Herzinfarkt in deutschen Krankenhäusern

Die Sterblichkeit nach Herzinfarkt sinkt langsam, stagniert aber seit 2014 auf ähnlichem Niveau.

Ein anderer bekannter Indikator ist die Sterblichkeit nach Lungenentzündung:

Sterblichkeit nach Lungenentzündung in deutschen Krankenhäusern

Auch bedingt durch älter werdende Patienten stagniert die Sterblichkeit nach Lungenentzündung.

Eine positive Entwicklung ist allerdings bei der Sterblichkeit nach Schlaganfall zu verzeichnen – dies ist einer massiven Kampagne zur schnellen Versorgung und der Einrichtung sogenannter „Stroke Units“, speziell eingerichteten Bereichen zur Schlaganfallbehandlung, zu verdanken. Diese Initiativen gingen allerdings nicht von den Krankenhäusern aus, sind aber ein Beispiel dafür, dass auch in der heutigen Medizin noch deutliche Fortschritte möglich sind:

Sterblichkeit nach Schlaganfall in deutschen Krankenhäusern

 

Die Sepsis oder Blutvergiftung hat eine enorm hohe Sterblichkeitsrate, auch diese sinkt zum Glück:

Sterblichkeit nach Sepsis oder Blutvergiftung in deutschen Krankenhäusern

 

Was sind aber jetzt die Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit? Dazu mehr im nächsten Beitrag.