Löhne im Pflegedienst – Einleitung

Nachdem das letzte Mal gezeigt wurde, dass der ärztliche Dienst besser verdienst und an Umsatz und Gewinn beteiligt wird – während die Pflege leer ausgeht, möchten wir heute analysieren: Was beeinflusst die Löhne im Pflegedienst? Was sind die Auswirkungen der miesen Bezahlung? Beeinflusst sie Fehlzeiten und Fluktuation?

Löhne im Pflegedienst: Zusammenhänge

Schauen wir uns einmal an, mit welchen anderen Parametern die Löhne im Pflegedienst zusammenhängen:

Erst einmal ist interessant, was nicht mit den Löhnen im Pflegedienst zusammenhängt: Die Löhne im Pflegedienst sind unabhängig von der Größe des Krankenhauses, ein kleines Dorfkrankenhauses bezahlt also im Allgemeinen nicht besser oder schlechter als eine Uniklinik. Außerdem sind sie unabhängig von der Arbeitsbelastung und vom Weiterbildungsgrad des Pflegedienstes (!!!).

Interessante Zusammenhänge sind allerdings sehr wohl zu finden: die Löhne im Pflegedienst hängen zusammen mit…

  • Der finanziellen Situation des Krankenhauses: Je schlechter es dem Haus geht, desto niedriger die Löhne. Klingt logisch, die Ärzte werden aber unabhängig von der finanziellen Situation immer gleich gut bezahlt.
  • der Bezahlung der anderen Mitarbeiter (Funktionsdienst und ärztlicher Dienst).
  • der Arbeitszeit in % einer Vollzeitstelle. Teilzeitmitarbeiter werden anteilig schlechter bezahlt als Vollzeitkräfte! Das halte ich für sehr ungerecht.
  • Je größer der Anteil der Privatpatienten ist, desto schlechter wird der Pflegedienst bezahlt. Ja, ihr habt richtig gehört: Je mehr sich also die Chefärzte in die Taschen stecken und je mehr Umsatz mit Privatpatienten gemacht wird, desto schlechter (!!!) wird der Pflegedienst bezahlt!

Statistisch signifikante Zusammenhänge

Aus der Menge der möglichen Zusammenhänge wurden mittels einer multiplen linearen Regression die mathematisch wirklich auffälligen Zusammenhänge mit der Bezahlung im Pflegedienst ermittelt.

Löhne im Pflegedienst hängen positiv zusammen mit…

  • Dem Krankenstand im Pflegedienst: Je mehr Menschen in der Pflege krank sind, desto besser wird der Rest bezahlt bzw. desto mehr muss auf „Springer“ und Leiharbeiter zurückgegriffen werden
  • Dem Raumtyp: Je ländlicher das Krankenhaus ist, desto höher die Löhne
  • Den Löhnen im Funktionsdienst
  • Dem Erlösanteil in der Ambulanz
  • Dem Gewinn des Krankenhauses

Löhne im Pflegedienst hängen negativ zusammen mit

  • Den Löhnen für den technischen Dienst (Putzkräfte, Hausmeistertätigkeiten etc.) – was der eine mehr verdient, verdient der andere weniger
  • Den Fördermitteln für ein Krankenhaus: Wenn das Haus hohe Mengen Fördermittel erhält, wird die Pflege schlechter bezahlt
  • Der Fluktuation im Pflegedienst: Je höher die Fluktuation, desto schlechter die Bezahlung (weil Neueinstellungen oft schlechter qualifiziert sind)
  • Dem Anteil der Privatpatienten (siehe oben)

Kausalzusammenhänge

Mittels der Paketes „CAM“ haben wir analysiert, wie die Variablen einander beeinflussen: Bedeutet die höhere Anzahl von Privatpatienten, dass die Pflege schlechter bezahlt wird oder führt eine schlechtere Bezahlung zu mehr Privatpatienten? (Blaue Pfeile bedeuten hier einen positiven Zusammenhang, rote Pfeile einen negativen. Die Richtung der Pfeile deutet die Richtung der Beeinflussung an und die Stärke der Linie die Stärke der Beeinflussung).

Was sind also Gründe für eine gute oder schlechte Bezahlung im Pflegedienst?

  • Gute Bezahlung im ärztlichen Dienst (allerdings ein schwacher Zusammenhang, viel kommt vom Kuchen nicht an) und in der Verwaltung
  • Erhöhte Fluktuation im Pflegedienst senkt die Löhne (weswegen die Fluktuation wohl auch bei den Arbeitgebern nicht so unwillkommen ist)
  • Je höher die Rücklagen des Hauses sind, desto schlechter die Bezahlung
  • Je höher die Einnahmen aus Chefarztambulanzen sind, desto schlechter die Bezahlung (!)
  • Je höher der Krankheitsausfall im Pflegedienst ist, desto besser die Bezahlung
  • Je ländlicher das Krankenhaus, desto besser die Löhne im Pflegedienst
  • Je mehr Fördermittel das Haus abgreift, desto schlechter die Löhne im Pflegedienst
  • Je älter die Arbeitnehmer, desto besser die Bezahlung (was niemanden wundern sollte)
  • Je stärker die Auslastung der Betten (und damit der Umsatz und die Arbeitsbelastung) desto schlechter die Bezahlung!!!

 

Was sind die Auswirkungen von steigenden Löhnen im Pflegedienst?

  • Höhere Löhne im Funktionsdienst
  • Höhere Umsätze durch Krankenhausleistungen

 

Was kann man für bessere Löhne im Pflegedienst tun?

Die Analyse zeigt einige Anhaltspunkte dafür, was die Politik, aber auch die Pflege selbst und natürlich die Arbeitgeberseite für gerechte Löhne tun kann:

  • Beteiligt die Pflege ähnlich wie die Ärzte an Umsatz und Gewinn!
  • Verringert die Fluktuation: Sie verringert die Qualität der Pflege und senkt die Löhne.
  • Schafft die Chefarztambulanzen ab! Sie dienen nur dazu, reichen Privatpatienten bessere Behandlung und den Chefärzten reichlich Geld zukommen zu lassen
  • Pflege: Meldet euch krank! Das ist im Moment euer bestes Druckmittel für bessere Löhne und wenn ihr krank seid, dann bleibt zu Hause!
  • Wenn die Politik Fördermittel an Häuser vergibt, sollte sie darauf achten, dass die Pflege ordentlich bezahlt wird
  • Liebe Krankenhäuser, wenn ihr euren Umsatz und Gewinn steigert, beteiligt die Pflege daran, sie ist euer Kapital!