Einleitung

Nachdem in den vergangenen Beiträgen schon einige detaillierte Auswertungen der Fluktuation von Pflege und ärztlichem Dienst sowie der Ausfall- und insbesondere Krankheitszeiten vorgenommen wurden, kommen wir mal zu einem ganz allgemeinen Thema zurück: Wie ist die finanzielle Situation der deutschen Krankenhäuser?

Wenn man so die einschlägige Presse liest, wird man den Eindruck nicht los: Die Krankenhäuser Deutschlands stehen kurz vor dem Ruin – stimmt das? Über Geld spricht man ja nicht so gern und im Zweifelsfall beschwert sich ja jeder über sein Gehalt – so auch die deutschen Krankenhäuser. Schauen wir mal….

Eigenkapital und Gewinn

Schauen wir uns erst einmal das Eigenkapital der Krankenhäuser einer bestimmten Region an (es wurden nur Krankenhäuser ausgewählt, bei denen durchgehend Daten von 2010-2016 vorhanden waren):

Eigenkapital deutscher Krankenhäuser 2016

Im Durchschnitt hat das deutsche Krankenhaus in dieser repräsentativen Stichprobe also 18.8 Millionen € Eigenkapital.

Fast alle Krankenhäuser haben einen signifikant positiven Eigenkapitalstock.

Nun gut, könnte man sagen, die Häuser zehren eben noch von den Rücklagen vergangener Jahre, die jetzt aber dahinschrumpfen. Wie sieht es also mit dem Gewinn und den Investitionen aus? Dazu folgendes Bild mit Werten von 2016:

Gewinn und Eigenkapitalinvestitionen deutscher Krankenhäuser 2016

 

Man sieht, den deutschen Krankenhäuser geht es in der Mehrzahl absolut gut. Natürlich gibt es Häuser, die Verluste schreiben (immer nach Investitionen), aber Grund zu Jammern gibt es nicht, im Gegenteil:

Entwicklung der Finanzen seit 2010

Nun gut, könnte man sagen, wahrscheinlich war es vor Einführung der Fallpauschalen ja viel besser?
Schließlich haben die Krankenhäuser doch gezetert und den Untergang des Abendlandes herbeigerufen, als diese eingeführt wurden.

Wie ist denn nun die finanzielle Situation der deutschen Krankenhäuser seit 2010?

Es zeigt sich, die Krankenhäuser profitieren:

Entwicklung Krankenhausparameter 2010-2016

Während die Verweildauer der Patienten zurückgeht, sind Eigenkapital und der Erlös pro Fall deutlich gestiegen. Die Daten sind nicht inflationsbereinigt, aber seit 2010 ist die Inflation fast zu vernachlässigen (die Berechnung in diesem Fall ist schwierig, ich schätze sie auf 10%).

Gewinn und Investitionen haben sich seit 2012 erholt und haben den Wert von 2010 wieder übertroffen (vielleicht sollten die Häuser einmal ihr Eigenkapitel angreifen?). Weitere Parameter sind hier zu sehen:

Finanzielle Entwicklung deutsche Krankenhäuser 2010-2016

 

Steigerung des Umsatzes, der Investitionen, der sonstigen Einkünfte v.a. durch Privatpatienten – den deutschen Krankenhäusern geht es in der Mehrzahl richtig gut (was von deren Beschäftigten nicht unbedingt zu behaupten ist):

Arbeitsbelastung vs. Ertrag in deutschen Krankenhäusern 2010-2016

Während Verweildauern und auch die Fallbelastung pro Arzt gesunken sind und gleichzeitig der Erlös pro Fall und die gesamte Fallzahl deutlich gestiegen sind, profitiert die Pflege davon nicht – ihre Arbeitsbelastung ist deutlich gestiegen (auch das wird noch näher untersucht werden). Die finanzielle Situation der deutschen Krankenhäuser ist dagegen meist sehr gut.

Im nächsten Beitrag werden die Zusammenhänge der Finanzen und die Auswirkungen der Umsatz- und Gewinnsteigerung einmal genauer unter die Lupe genommen.