Einleitung

Fluktuation im ärztlichen Dienst ist zu einem gewissen Grad gut und gewollt – neue Krankenhäuser kennenlernen, sich Weiterbilden, andere Arbeitsweisen kennenlernen, das erweitert den Horizont. Wie im vorletzten Beitrag gezeigt, steigt die Fluktuation aber deutlich an.

Was hat das für Gründe und Auswirkungen? Ist dieser Anstieg wirklich immer gut?

Zusammenhänge

Wie immer wurde zur Analyse eine Regressionsanalyse des Einflusses auf und von der Fluktuation im ärztlichen Dienst gemacht.

Hier einmal die Zusammenhänge mit den wichtigsten Variablen:

Regressionsergebnisse Fluktuation Ärztlicher Dienst

Auffällig sind folgende Zusammenhänge mit der Fluktuation im ärztlichen Dienst:

  • Ein positiver Zusammenhang mit der Sterblichkeit im Krankenhaus
  • Ein positiver Zusammenhang mit der Fluktuation im Pflegedienst, dies wurde schon im letzten Beitrag ausführlich besprochen
  • Je höher der Krankenstand im ärztlichen Dienst, desto höher auch die Fluktuation
  • Je geringer die Verweildauer der Patienten, desto höher die Fluktuation
  • Je höher die Nutzung der Intensivbetten, desto höher die Fluktuation

Schon hier zeigt sich, dass die Fluktuation im ärztlichen Dienst stark mit der Arbeitsbelastung zusammenhängt

Was sind nun signifikante Einflüsse?

Signifikante Einflüsse auf die Fluktuation im ärztlichen Dienst

Wie immer wurde eine multiple lineare Regression durchgeführt, um signifikante Zusammenhänge zu ermitteln.

Dabei bedeuten grüne Variablen einen positiven Einfluss, d.h. je höher diese Variable ist, desto höher ist auch die Fluktuation im ärztlichen Dienst und rote Variablen einen negativen Einfluss, d.h. je höher diese Variable, desto niedriger die Fluktuation.

Folgende Variablen erschienen als signifikant im Zusammenhang mit der Fluktuation im ärztlichen Dienst (95%-Niveau):

  • Krankheitsausfall im Pflegedienst
  • Arbeitsbelastung im Funktionsdienst
  • Weiterbildungsanteil im Pflegedienst 
    • Das ist sehr bemerkenswert – mögen Ärzte etwa keine gut ausgebildeten Pflegekräfte, die Ihnen womöglich reinreden? 😉
  • Anteil der Materialkosten am Krankenhausumsatz
  • Fremdpersonal im ärztlichen Dienst
  • Verweildauer der Patientinnen
  • Patienten mit Chefarztwahl
  • Schulden des Krankenhauses
  • Arbeitsbelastung im Pflegedienst

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Fluktuation im ärztlichen Dienst viel mit der Arbeitsweise des Krankenhauses zu tun hat, bemerkenswert ist vor allem dass die „Optimierung“ der Verweildauer (evtl. auf Rücken des Patienten) ein Kündigungsgrund für Ärzte ist.

Und es zeigt sich, dass Dinge vernetzt zu sehen sind. Die Zufriedenheit des ärztlichen Dienstes ist eng mit der Zufriedenheit der anderen Berufsgruppen verknüpft.

Kausalzusammenhänge

Wie immer wird auch eine Analyse der Kausalzusammenhänge durchgeführt.

Hierbei bedeuten blaue Pfeile einen positiven Zusammenhang, rote Pfeile einen negativen Zusammenhang. Die Dicke der Linien verdeutlicht die Stärke des Zusammenhangs.

Kausalzusammenhänge Fluktuation ärztlicher Dienst

 

Was sind die Auswirkungen erhöhter Fluktuation im ärztlichen Dienst?

 

Das kann man aus der vorherigen Grafik einfach und schnell beantworten:

Erhöhte Sterblichkeit im Krankenhaus!!

Das ist nun wirklich mal eine wichtige Erkenntnis, die folgende Grafik zeigt es ziemlich deutlich:

 

Zusammenhang Sterblichkeit Fluktuation ärztlicher Dienst

Und für euch, liebe Controller: Erhöhte Sterbefälle bedeuten mehr Kontrollen des MdK und damit weniger Einnahmen!

Ich denke, damit sollte der Mythos von „Fluktuation im ärztlichen Dienst ist immer gut“ widerlegt worden sein.

Was kann man nun dagegen tun?

Was kann ich gegen Fluktuation im ärztlichen Dienst tun?

 

Erst einmal die Antwort, was NICHT hilft: Mehr Gehalt, das hat einfach keinen Einfluss (außer vielleicht auf Chefärzte). Wie wir bald sehen werden, ist das Gehalt in den letzten Jahren schon exorbitant gestiegen – die Fluktuation aber auch.

Also, was hilft sonst (siehe Analysen oben):

  • Geringere Fluktuation im Pflegedienst! Damit sind wir beim letzten Beitrag, der größte Faktor ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Pflege. Pflege und ärztlicher Dienst arbeiten zusammen, wenn man bei den einen spart, vergrault man auch die anderen.
  • Hört auf, die Verweildauer der Patienten auf Teufel komm raus herunterzuschrauben! Das ist eigentlich der Ergebnis jeder Analyse, es muss aufgehört werden, das Krankenhaussystem um jeden Preis auf Umsatz zu trimmen. Wenn Patienten noch krank sind, lasst sie liegen!!
  • Die Fluktuation auf dem Land ist wesentlich höher: Daher schafft Anreize für Ärzte, in ländlichen Krankenhäusern zu bleiben.
  • Investiert in Personal statt Material. Hohe Materialkostenanteile bedeutet weniger Geld für Personal und das erhöht die Fluktuation

 

Und schon wieder sind wir bei den selben Schlussfolgerungen wie bei den Ausfallzeiten und auch bei dem was so ziemlich jede Interessensvertretung der Arbeitnehmer im Krankenhaus fordert. Schön, dass die Mathematik dies bestätigt.